Rund drei Stunden Fahrt von Brazzaville entfernt liegt eine der eindrücklichsten Naturerfahrungen, die ich bisher in Zentralafrika erleben durfte: das Lésio-Louna-Reservat, betreut vom Projet Protection des Gorilles (PPG). Ich hatte wenig Zeit, aber an nur einem Tag konnte man Flachlandgorillas, Flusspferde und Krokodile im Louna Fluss sehen, eine Bootsfahrt durch dichten Tropenwald unternehmen und auch noch den Tafelberg Mont Epopi besteigen.
Die Anfahrt: Buschpisten und die ersten Tafelberge
Abfahrt in Brazzaville war um sechs Uhr morgens. Nach der asphaltierten Strecke wird die letzte Stunde zur Buschpiste: tiefe Furchen im roten Sand, hohes Gras auf beiden Seiten, vereinzelte Bäume der in der Savannenlandschaft. Genau dieses Wechselspiel aus offener Savanne und gewellten Hügeln macht diese Plateaulandschaft so spannend.


Kurz vor neun Uhr lichtet sich der Dunst, und am Horizont taucht der erste der charakteristischen Tafelberge auf – mit seiner steilen, wie abgeschnitten wirkenden Kuppe ein Vorgeschmack auf eine Landschaft, in der später der Mont Epopi ein markantes Wahrzeichen sein wird.
Den Gorillas ganz nah
Am Ufer des Louna Flusses beginnt, wofür wir eigentlich die lange Anreise auf uns genommen haben: die Gorilla-Visite. Die im Reservat lebenden Westlichen Flachlandgorillas sind keine wilden Tiere im klassischen Sinn, sondern ausgewilderte, zuvor illegal gehandelte Waisen – entsprechend lassen sie sich auf wenige Meter Entfernung beobachten, ohne dabei domestiziert zu wirken. Ein Silberrücken patrouillierte am Flussufer, ein Stück weiter saß ein zweites Tier im hohen Gras und kaute in aller Seelenruhe am Frühstück.



Es war beeindruckend als der erste Gorilla begann durchs Wasser zu laufen, der Silberrücken zeigt wer hier das sagen hat, und erinnert ein wenig an manche menschlichen Vertreter seiner Art.
Hintergrund: Das Projet Protection des Gorilles (PPG)
Informationen stammen von www.ppgcongo.org
Die Geschichte des Projekts beginnt in den 1980er-Jahren in Brazzaville, als eine französische Tierschützerin begann, illegal gehandelte Gorillababys aufzunehmen. Mit Unterstützung des britischen Naturschützers John Aspinall entstand daraus 1987 das Projet Protection des Gorilles – mit dem Ziel, den Schmuggel von Menschenaffen-Jungtieren einzudämmen, beschlagnahmte Waisentiere aufzunehmen und sie schrittweise wieder in die Freiheit zu entlassen.
1994 wurde die erste Gruppe von sechs jungen Gorillas in das Reserve Lésio-Louna gebracht – damals ein weltweit einzigartiger Versuch, ohne Vorbild oder erprobte Methode. Drei Tiere überlebten den Stress der Umgewöhnung nicht, doch die Auswilderung der übrigen gelang. 1999 wurde das rund 440 km² große Gebiet per Dekret offiziell als Réserve Naturelle de Gorilles de Lésio-Louna unter Schutz gestellt; es liegt eingebettet in die deutlich größere Wildreserve La Léfini.
Bis heute wurden über 30 Gorillas erfolgreich in die Wildnis entlassen. Mehr als zehn Jungtiere kamen seither bei vollständig frei lebenden Elterntieren zur Welt – die weltweit erste erfolgreiche Geburt dieser Art nach einer Wiederauswilderung überhaupt. Das Projekt finanziert sich heute massgeblich über den sanften Tourismus, bei dem Besucherinnen und Besucher direkt zu den Schutzbemühungen beitragen.
Hippos und Stille auf dem Wasser
Nachdem wir in Summe drei Gorilla gesehen haben, wechselten wir in ein kleineres Boot und machten uns zu zweit mit unserem Führer auf den Weg flussabwärts. Wir legten einige Kilometer auf dem Louna zurück bis dieser in den Lefini mündete. Die Flüsse sind hier breit, träge und von dichtem Wald gesäumt – Palmen hängen tief über das Wasser, dazwischen immer wieder das charakteristische Schnaufen und Auftauchen von Flusspferden.
Kurz darauf öffnet sich der Fluss, und im Hintergrund erscheint bereits die markante Silhouette des Mont Epopi – zwar nicht sehr hoch aber wegen der schwül-heißen Verhältnisse durchaus Respekt gebührend.


Der Aufstieg zum Mont Epopi
Vom Anlegeplatz aus führt ein schmaler Pfad durch hüfthohes Gras hinauf zum Tafelberg: eine senkrechte Steinwand, von Jahrtausenden Erosion in Schichten gelegt, darüber eine grasbewachsene Kuppe.


Teils abseits der Wege kraxelten wir die gräsernen Flanken des Berges hinauf und erreichen eine sanfte Wiesenlandschaft. Aus dem Tafelberg wird plötzlich die schroffe Kante eines fruchtbaren Plateaus durch das sich die Flüsse gefressen haben. Es öffnet sich der Blick über das gesamte Tal: Klippen, dichte Wälder in den Senken, dazwischen die sich schlängelnden Flussarme von Louna und Lefini.
Ein vom Wind geformter Baum balanciert direkt am Abgrund – fast wie ein Sinnbild für die ganze Landschaft hier: karg, windgepeitscht und gleichzeitig von erstaunlicher Vegetation überzogen.



Der Canyon, den der Lefini in das Sandsteinplateau gegraben hat, zieht sich in beide Richtungen am Horizont entlang, immer gesäumt von kleinen Wäldern.
Von einem weiteren Aussichtspunkt aus ist die Flussschleife noch besser zu erkennen – das Wasser wirkt aus dieser Höhe fast reglos.




Ein knorriger, vom Wind verdrehter Baumstamm auf dem Gipfelgrat markiert den Weg zurück.
Zurück zum Boot – und nach Brazzaville
Am späten Nachmittag stiegen wir ab ins Tal und zurück zum Ufer, wo das kleine geschweißte Aluminiumboot bereits im Schilf wartete.

Von dort aus dauert es rund zwei Stunden zurück zum Camp der Gorilla Projekts und nochmals etwa drei Stunden bis Brazzaville. Etwa gegen 19-20 Uhr waren wir zurück in der Hauptstadt. Ein langer, lohnender Tag.
Kontakdaten Gorilla Projekt 🦍
Das Reservat wird direkt von PPG verwaltet, der Tourismus fließt laut der Organisation vollständig in den Schutz der Gorillas zurück. Organisiert habe ich alles über die aktuelle (2026) Ansprechperson des Projekts:
Muriel Makemy Matsanga
📱 WhatsApp: +242 05 201 2990 (bevorzugter Kontaktweg, schnelle Antwort)
✉️ E-Mail: muriel@ppgcongo.org
Am einfachsten schreibt man ihr direkt über WhatsApp, erkundigt sich über die möglichen Aktivität, und bekommt darauf ein Angebot mit Termin, Abholzeit und Gesamtpreis.
Ein herzlicher Dank auch an Thomas, dem früheren Projekt-Koordinator für die Unterstützung!